Landtagswahlen in Brandenburg: So stehen die Parteien zum Informatikunterricht
Brandenburg ist beim Thema Informatikunterricht im bundesweiten Vergleich lediglich unteres Mittelfeld: Laut Informatik-Monitor, den die Gesellschaft für Informatik in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband jährlich veröffentlicht, setzt das Land Brandenburg die Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz (KMK) nur unzureichend um.


So haben die Parteien geantwortet:
Für Plus Brandenburg steht außer Frage, dass informatische Kompetenzen
zu den Schlüsselfertigkeiten des 21. Jahrhunderts gehören und deshalb
einen festen Platz in der schulischen Bildung und darüber hinaus
benötigen. Daher setzen wir uns dafür ein, Informatik schnellstmöglich
als Pflichtfach an allen weiterführenden Schulen im Land Brandenburg
einzuführen.Uns ist bewusst, dass dieser Schritt nicht von heute auf morgen
umsetzbar ist. Umso wichtiger ist es, dass die neue Landesregierung
unverzüglich die entsprechenden Weichen stellt, um die Voraussetzungen
für Einführung eines Pflichtfachs Informatik zu schaffen. Dies erfordert
zuallererst eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Lehrkräfte für das
Fach Informatik. Hierfür ist die Zahl an Lehramtsabsolventen im Fach
Informatik - wie in beinahe allen Fächern - dringend zu steigern. Um
dies zu bewältigen, möchten wir eine Pädagogische Hochschule im Land
Brandenburg etablieren, die sich dezidiert um die Ausbildung von
Lehrkräften kümmert. Hierdurch soll erreicht werden, dass das
Lehramtsstudium nicht länger bloßes "Anhängsel" der jeweiligen
Fachwissenschaft ist, sondern gezielt die fachlichen UND
methodisch-didaktischen Kompetenzen ausgebildet werden, die für
angehende Lehrkräfte später in der Schule von Relevanz sind.Als ersten Schritt hin zu einem Pflichtfach Informatik wollen wir durch
eine Änderung der Sekundarstufe I-Verordnung den Informationstechnischen
Grundkurs (ITG) an weiterführenden Schulen verpflichtend als
eigenständiges Fach (nicht "eingebettet" in andere Fächer wie
Wirtschaft-Arbeitslehre-Technik) im Umfang von 90 Minuten pro Woche in
der Klassenstufe 7 (oder alternativ: je 45 Minuten/Woche in Klassenstufe
7 und 8) einführen. Zwar ist ITG kein Informatikunterricht im engeren
Sinne, bahnt diesen aber an und steigert in der Regel das Wahlverhalten
zugunsten des anschließenden Wahlpflichtunterrichts in der Informatik.
Dies ist aus unserer Sicht auch kurzfristig umsetzbar, da es hierfür in
einem ersten Schritt nicht zwingend ausgebildeter Informatiklehrkräfte
bedarf, sondern dies bei entsprechender Fortbildung auch von technisch
hinreichend versierten Kollegen anderer Disziplinen umgesetzt werden
kann. Zudem sind die entsprechenden Rahmenlehrpläne bereits vorhanden.In den Klassenstufen 9 und 10 muss zunächst zumindest ein
flächendeckendes Angebot an Informatik-Wahlpflichtunterricht etabliert
werden, um den Einstieg in ein künftiges Pflichtfach an allen Schulen zu
ermöglichen und den Kollegen eine entsprechende Perspektive zu bieten.
Hierzu könnten Schulen (zumindest ab einer gewissen Größe) verpflichtet
werden, ein Angebot in Informatik vorzuhalten. Sind die dafür benötigten
Strukturen flächendeckend etabliert, kann die Umwandlung in ein
Pflichtfach in Angriff genommen werden.In der Oberstufe muss das Fach Informatik hinsichtlich der
Belegpflichten endlich mit den Naturwissenschaften des 3. Aufgabenfeldes
gleichgestellt werden. Hier setzen wir uns für eine unverzügliche
Änderung der Gymnasiale-Oberstufe-Verordnung ein.All diese Maßnahmen wären aus unserer Sicht kurzfristig umsetzbar und
geeignet, die Stellung des Faches Informatik insgesamt zu stärken und
zusätzliche Lehramtsanwärter für das Fach zu gewinnen. Dies ist - neben
der Schaffung der technischen Voraussetzungen - eine notwendige
Bedingung für die perspektivische Einrichtung eines Pflichtfachs Informatik.
Unser Ziel ist es, dass Schüler*innen digitale Technologien kompetent und selbstbestimmt nutzen können. Informatik und Medienkompetenz wollen wir künftig zu einem eigenen verpflichtenden Schulfach für die Sekundarstufen I und II machen. Um dieses Ziel perspektivisch zu erreichen, setzen wir uns dafür ein, dass die Landesregierung unter Beteiligung von Wissenschaft und wichtigen Akteursgruppen einen verbindlichen Plan mit einer Pilot- und einer Evaluierungs- und Ausweitungsphase bis 2030 erarbeitet. Wir wollen die IT-Basisausstattung für alle Schulen und Schüler*innen weiter verbessern. Die weitere Umsetzung des Digitalpakts Schule und ein Anschlussprogramm müssen dazu zügig erfolgen und durch landeseigene Förderung ergänzt werden. Damit sich Lehrkräfte auf die pädagogische Tätigkeit konzentrieren können, setzen wir uns für mehr IT-Administrator*innen zur technischen Wartung der Systeme ein. IT- und Medienkompetenzen wollen wir in allen Phasen der Lehrkräfteausbildung fest verankern.
Wir setzen uns dafür ein, dass Schulbildung in Brandenburg die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, sich in einer digital vernetzten und dynamischen Welt zurechtzufinden, ihre kreativen und unternehmerischen Fähigkeiten zu entfalten, soziale Verantwortung zu übernehmen und praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. Dadurch sollen sie in die Lage versetzt werden, informierte Entscheidungen für ihre persönliche und berufliche Zukunft zu treffen. Das Schulfach Informatik werden wir daher zu einem Pflichtfach erheben. Die Funktionsweise und das Verständnis der Entwicklung digitaler Anwendungen muss für Brandenburgs Schülerinnen und Schüler genauso selbstverständlich sein wie deren Nutzung. Auch um mit Desinformation, Hatespeech, Cybermobbing, Datenschutz und Onlinesucht richtig umgehen zu können, müssen die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler gezielt gefördert werden.
IT-Berufe sind eine der Branchen in Deutschland, in denen der Fachkräftemangel besonders akut ist. Im Jahr 2022 gab es bundesweit im Schnitt 67.924 offene Stellen im Bereich der Informationstechnik - Rekord seit Beginn des Beobachtungszeitraums im Jahr 2010, wie aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur in allen Wirtschaftsbereichen führt zu einem gesteigerten Bedarf an qualifizierten IT-Fachkräften (Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/it-berufe-fachkraftemangel-rekord-100.html).
Aufgrund dieser Tatsachen und im Hinblick auf die internationale Konkurrenzfähigkeit ist die Einführung eines verpflichtenden Schulfachs Informatik eine der zentralen Aufgaben im Rahmen der Ausarbeitung zukünftiger Rahmenlehrpläne. BVB / FREIE WÄHLER wird sich bei einer Regierungsbeteiligung hierfür einsetzen, aber auch als Oppositionskraft die Notwendigkeit anmahnen und Schritte unternehmen, um Informatik als verpflichtendes Schulfach zu etablieren.
Informatik kann in Brandenburg gegenwärtig als Wahlpflichtfach ab der Sekundarstufe I angewählt werden. Damit gehört Brandenburg zu einer Reihe von Bundesländern, die gegenwärtig formal keinen verbindlichen Informatikunterricht anbieten. Grundsätzlich halten wir die Unterrichtung des Faches und die Ermöglichung eines entsprechenden Angebotes für sehr wichtig, nicht zuletzt in Hinblick auf die Ausbildung von Kompetenzen (zum Beispiel zum Umgang mit KI) für die gegenwärtige und zukünftige Lebenswelt. Vor diesem Hintergrund würden wir uns im Grundsatz für eine Stärkung des Faches in der Kontingentstundentafel einsetzen und ebenso wie andere Bundesländer die Pilotierung eines verbindlichen Informatikunterrichts unterstützen. Allerdings muss eine solche Entscheidung mit Blick auf die bestehende Kontingentstundentafel zunächst sorgsam und verantwortungsvoll geprüft werden. Darüber hinaus muss ein konzentrierter Blick auf die Lehrkräfteausbildung in Brandenburg geworfen werden, um den konkreten Bedarf für das Fach Informatik abbilden und zukünftig eine entsprechende Anzahl an Lehrkräften gewährleisten zu können.
Die digitale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler wird über das Basiscurriculum Medienbildung gefördert bzw. wurde in den überarbeiteten Fachplänen Deutsch, Mathematik, Mehrsprachigkeit aufgenommen. Medienbildung ist verbindliche Querschnittsaufgabe aller Fächer und berücksichtigt das Lernen mit und über Medien.
Schulische Medienbildung versteht sich über alle Schulstufen hinweg als ein dauerhafter, pädagogisch strukturierter und begleiteter Prozess des kreativen Umgangs sowie der konstruktiven und kritischen Auseinandersetzung mit der von verschiedenen Interessen geprägten Medienwelt, ihren sich stetig verändernden Medientechnologien und -inhalten in allen Medienarten sowie der Reflexion des eigenen Mediengebrauchs.
Schülerinnen und Schüler an Ober- und Gesamtschulen können Informatik als Wahlpflichtfach (WP) ab der Jahrgangsstufe 7 wählen. Ab der Jahrgangsstufe 9 besteht im Rahmen des Schwerpunktunterrichts die Möglichkeit, Informatik als Fach auch an den Gymnasien anzubieten. Auch wenn das Fach Informatik durch die Schulen im Rahmen des Wahlpflicht-Unterrichts und des Schwerpunktunterrichts angeboten wird, zeigen der Anteil der Teilnehmenden Schülerinnen und Schüler von ca. 20 % ein hohes Interesse an diesem Fach.
Im Informatikunterricht entwickeln die Schülerinnen und Schüler fachliche und überfachliche Kompetenzen, mit deren Hilfe sie Wechselwirkungen zwischen Informatiksystemen, Mensch und Gesellschaft fundiert beurteilen können.
Informatikunterricht und Medienbildung sind zwei sich ergänzende Aufgaben schulischer Bildung und Erziehung. Der spezifische Beitrag der Informatik zur Medienbildung liegt deshalb in der Bereitstellung grundlegender informatischer Methoden und Sichtweisen, die ein Verständnis computerbasierter Medien erst ermöglicht und somit einen zielgerichteten und verantwortungsvollen Einsatz unterstützt.
Mit der in Umsetzung befindlichen Versorgung aller Schulstandorte mit schnellem Internet und der stärkeren Bereitstellung digitaler Endgeräte eröffnen sich den Schulen auch für den Informatikunterricht bessere Möglichkeiten.

